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Recruiting-Video statt Stelleninserat: Wieso das eigentlich wirkt

5 Min. LesezeitMitarbeiter-RecruitingAls Hörspiel

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Der ganze Artikel als Hörspiel – vorgelesen, zum Nebenherhören. · Recruiting-Video statt Stelleninserat: Wieso das eigentlich wirkt

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Wieso ein Stelleninserat und ein Recruiting-Video zwar dasselbe Ziel haben, aber komplett unterschiedlich wirken, was Studien dazu zeigen und wie du erkennst, ob sich das für deinen Betrieb lohnt.

Ein Stelleninserat und ein Recruiting-Video wollen eigentlich beide dasselbe: eine offene Stelle besetzen. Wie sie das tun, könnte unterschiedlicher nicht sein.

Im Schweizer Handwerk ist das aktuell kein kleines Thema. Insgesamt hat sich der Fachkräftemangel in der Schweiz 2025 etwas entspannt. Bei einzelnen Bauberufen wie Bauführer oder Polier gehört die Suche nach Personal aber weiterhin zu den schwierigsten überhaupt, getrieben von der hohen Auftragslage in der Baubranche. Insgesamt fehlten dem Schweizer Handwerk laut einem Bericht des Blick zuletzt rund 42'000 Personen.

Ein klassisches Stelleninserat sieht dabei fast überall gleich aus. Ein paar Punkte, was der Betrieb bietet, ein paar Punkte, was er erwartet, dazu ein Logo. Wer zehn Inserate liest, hat am Schluss zehnmal fast denselben Text gelesen und trotzdem keine Ahnung, wie es sich anfühlt, in diesem Betrieb zu arbeiten.

Ein Video zeigt genau das, was ein Text nicht zeigen kann. Wie eine Baustelle am Morgen tönt. Wie im Team miteinander geredet wird. Ob die Werkzeuge alt oder neu sind. Wer da tatsächlich arbeitet und wie die miteinander umgehen. All das kann man lesen, ohne es zu glauben, oder man sieht es und weiss es.

Ein Vorteil kommt dazu: Ein Stelleninserat sehen nur Leute, die gerade aktiv auf einer Jobplattform suchen. Ein Video auf Social Media erreicht auch Leute, die gar nicht aktiv suchen, aber offen wären, wenn sie zufällig sehen, wie es bei einem Betrieb tatsächlich zu- und hergeht. Dafür muss ein Recruiting-Video auch nicht riesig oder aufwändig sein, oft reichen kurze, ehrliche Clips.

Das betrifft nicht nur Lehrstellen. Wer sich für eine Lehre entscheidet, hat oft noch keine klare Vorstellung, wie der Berufsalltag in einem bestimmten Betrieb überhaupt aussieht, ein Video kann das zeigen, bevor überhaupt ein Bewerbungsgespräch stattfindet. Bei erfahrenen Fachkräften, die sich in einem engen Markt aussuchen können, wo sie arbeiten, spielt dieselbe Vorstellung eine Rolle. Wer sich vorher schon ein Bild machen kann, entscheidet sich leichter für den einen Betrieb statt für einen anderen.

Eine Studie der Fachhochschule Düsseldorf hat das genauer untersucht. 76 Prozent der Befragten gaben an, sich eher auf eine Stelle zu bewerben, wenn ein Unternehmensvideo dabei ist. Für 50 Prozent war das Video sogar ausschlaggebend dafür, für welche Stelle sie sich überhaupt beworben haben. Und bis zu 85 Prozent konnten sich im Nachhinein noch an den Inhalt des Videos erinnern.

Auch eine weitere Studie zu Unternehmensvideos in Jobbörsen kommt zum selben Schluss: Der Einsatz von Videos in Stellenanzeigen erhöht die Bereitschaft, sich zu bewerben, deutlich.

Interessant war noch ein Detail aus der Studie der FH Düsseldorf. Betriebe, die sich direkt und persönlich ansprechen lassen, zum Beispiel mit "Wir bieten dir..." statt der distanzierten Variante "Die Firma X bietet...", kommen bei Bewerbenden deutlich besser an. Nur rund 20 Prozent der Befragten bevorzugten die neutrale, unpersönliche Version. Das ist eigentlich logisch: Menschen vertrauen eher Menschen als einer anonymen Firma.

Was ein gutes Recruiting-Video braucht, ist dabei eigentlich simpel: echte Mitarbeitende, die in eigenen Worten erzählen, wieso sie dort arbeiten, statt einer gestellten Hochglanz-Inszenierung. Ein Video mit einstudierten Sätzen vor der Kamera wirkt schnell genau so unpersönlich wie das Inserat, das es ersetzen soll. Echte Sätze wirken dagegen glaubwürdig, und wer sich das Video anschaut und merkt, dass es zu einem passt, bewirbt sich meistens auch mit der richtigen Erwartungshaltung.

Das kann das Risiko einer Fehlbesetzung auf beiden Seiten senken. Und ein Video, das am Schluss tatsächlich eine offene Stelle besetzt, hat sich spätestens mit der ersten Einstellung bezahlt gemacht, gerade weil jede Stelle, die lange unbesetzt bleibt, einen Handwerksbetrieb am Ende auch Aufträge kostet, die er sonst hätte annehmen können.

Ein Video ersetzt aber keine ehrliche Stelle. Wenn Lohn, Arbeitszeiten oder das Team nicht stimmen, hilft auch das beste Video nichts, das merken Bewerbende spätestens im Vorstellungsgespräch. Ein Video zeigt einfach ehrlicher, was tatsächlich dahintersteckt, im Guten wie im Schlechten.

Ich hab schon einige Recruiting-Videos gedreht, bei denen am Schluss einfach Mitarbeitende selbst erzählt haben, wieso sie gerne dort arbeiten, ohne Skript, ohne einstudierte Sätze. Genau das bleibt hängen, viel eher als ein Satz wie "Wir bieten ein tolles Team". Am Schluss entscheidet nicht das schönste Video, sondern das ehrlichste.