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FPV oder normale Drohne: Wo liegt eigentlich der Unterschied?

5 Min. LesezeitFPV Drohne, Klassische DrohneAls Hörspiel

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Was eine FPV-Drohne technisch von einer klassischen Kamera-Drohne unterscheidet, wieso das Fliegen mit der Videobrille eine ganz eigene Übung ist und wieso auf vielen meiner Aufträge trotzdem beide zum Einsatz kommen.

FPV-Drohne oder normale Drohne, für viele klingt das nach zwei Namen für dasselbe Ding mit vier Rotoren. FPV steht für First Person View, zu Deutsch etwa Sicht aus der ersten Person, und genau da beginnt schon der grösste Unterschied. Es sind zwei komplett unterschiedliche Werkzeuge. Der Unterschied zeigt sich nicht beim Preis, sondern darin, wie man sie fliegt und welche Bilder am Schluss dabei rauskommen.

Eine normale Drohne, wie sie die meisten vor Augen haben, steuert man über einen Bildschirm. GPS hält sie von selbst in der Luft. Lässt man den Stick los, bleibt sie einfach stehen. Viele Modelle erkennen Hindernisse von selbst und fliegen bei Signalverlust automatisch zum Startpunkt zurück. Genau diese Technik macht sie so zugänglich. Wer zum ersten Mal eine Drohne fliegt, tut das heute meistens mit einer normalen.

Die Kamera hängt dabei an einem Gimbal, der jede kleine Bewegung ausgleicht. Deshalb wirkt das Bild ruhig und gleichmässig, auch bei Wind. Für weite, saubere Aufnahmen von oben, für Übersicht und Grösse, ist das genau richtig. Eine ganze Baustelle, ein Firmengelände, eine Landschaft: all das zeigt eine normale Drohne in ruhigen, klaren Bildern.

Bei FPV ist praktisch alles anders. Geflogen wird mit einer Videobrille. Man sieht genau das, was die Drohne sieht, nicht von aussen draufschauend. Kein GPS, das einen stabil hält. Kein Gimbal. Keine Sensoren, die einen vor einer Wand retten. Die Kamera ist dabei in erster Linie fürs Fliegen selbst da, damit man überhaupt sieht, wohin man steuert, nicht für die bestmögliche Bildqualität. Im anspruchsvollsten Flugmodus, Acro genannt, gleicht man jede Bewegung von Hand aus. Lässt man los, bleibt die Drohne nicht einfach stehen, sie fällt oder dreht weiter.

Wer ganz neu einsteigt, fliegt am Anfang oft im sogenannten Angle Mode. Dort richtet sich die Drohne von selbst wieder auf und kann sich nicht überschlagen. Das nimmt etwas von der Härte weg. Die freien, wilden FPV-Aufnahmen, wie man sie kennt, entstehen aber erst im Acro Mode. Dort ist wirklich alles von Hand.

Deshalb üben die meisten zuerst stundenlang am Simulator, bevor die erste eigene Drohne überhaupt abhebt. Auch danach, im echten Flug, geht am Anfang einiges zu Boden, das gehört bei FPV einfach dazu. FPV fliegen ist eigentlich eine eigene Sportart, kein Modus, den man einmal einschaltet und dann kann.

Dafür kann FPV Dinge, die eine normale Drohne nicht kann. Durch enge Lücken fliegen. Dicht an Personen und Objekten vorbei. Von null in ein, zwei Sekunden auf ein Tempo beschleunigen, das eine normale Drohne so nicht erreicht. Das sind die Aufnahmen, bei denen man als Zuschauer kurz die Luft anhält.

Auch bei der Flugzeit gibt's einen Unterschied. Eine normale Drohne fliegt pro Akku bis zu 45 Minuten, bei FPV sind es oft nur drei bis zehn. Das liegt auch daran, dass FPV-Drohnen auf Tempo und Leichtigkeit gebaut sind, nicht auf lange Standzeit in der Luft.

Und weil man mit einer Videobrille fliegt und die Drohne selbst nicht direkt sieht, gilt in der Schweiz eine klare Regel: Jemand muss daneben stehen und die Drohne die ganze Zeit mit blossem Auge im Blick behalten. Ohne diese Begleitperson braucht der Flug eine Bewilligung vom BAZL, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Auf dem Bildschirm sieht man den Unterschied sofort. Eine Aufnahme von der normalen Drohne wirkt wie eine ruhige Kamerafahrt am Himmel, gleichmässig, fast schwebend. Eine FPV-Aufnahme wirkt eher wie eine Achterbahnfahrt, mit Tempo, engen Kurven und einer Nähe, die den Puls hochtreibt. Wer schon einmal ein FPV-Video gesehen hat, kennt dieses Gefühl: als würde man selbst durch die Luft fliegen, nicht nur zuschauen.

Geht es um Übersicht, darum zu zeigen, wie gross oder wie zusammenhängend etwas ist, ist die normale Drohne die richtige Wahl. Geht es um Tempo, um Nähe, um das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, ist es FPV. Ein ruhiger Überblick am Anfang, ein schneller Reveal in der Mitte: oft ist genau diese Mischung das, was ein Video am Schluss lebendig macht. Im Schnitt harmonieren die beiden fast immer gut miteinander, gerade weil sie sich in Tempo und Perspektive so stark unterscheiden.

Auf Baustellen zum Beispiel habe ich eigentlich fast immer beide dabei. Mit der normalen Drohne zeige ich die Dimensionen, wie gross eine Baustelle wirklich ist und wie die einzelnen Teile zusammenhängen. Mit der FPV nehme ich die Leute mitten ins Geschehen, so nah dran, dass es sich fast anfühlt, als würde man selbst mitten auf der Baustelle stehen. Die eine ist dabei nicht besser als die andere. Sie können einfach unterschiedliche Dinge, und genau deshalb ergänzen sie sich.

Geflogen bin ich mit beiden schon, lange bevor daraus mein Beruf wurde, einfach aus Freude am Fliegen und an den Bildern von oben. Deshalb weiss ich auch: Die Frage ist nie, welche Drohne die bessere ist. Sondern welche für den Moment die richtige ist.